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Mein Kampf durch die Hormonhölle – wie das Absetzen der Pille mein Leben auf den Kopf stellte

Imagebild eines Pillenblisters auf einem Tisch

Meine Erfahrungen mit hormoneller Verhütung & Endometriose

Mit 13 Jahren bekam ich meine Periode. Ich weiß noch wie ich mit meiner damaligen besten Freundin alleine in der kleinen Altbauwohnung ihres Vaters war. Wir bereiteten unseren Geographie Vortrag über den Wanderfeldbau in Afrika vor. Ich hatte leichte Bauchschmerzen, fühlte mich etwas unwohl und hatte im Gefühl, dass sich etwas in mir veränderte. Ich wusste nur noch nicht was. 

Ungefähr ein Jahr später ließ ich mir dann schon die Pille verschreiben. Das war damals ganz normal und wie ein kleiner “Trend” für Mädchen in meinem Alter. Meine Mutter ging also mit mir zum Frauenarzt, willigte ein, dass ich alt genug war die Pille zu nehmen und so war es dann. Ich war noch viel zu jung, um zu verstehen, wie die Pille meinen Körper beeinflussen wird und was man zu beachten hatte. 

Anfangs vergaß ich sogar, dass man nach einem Blister eine fünftägige Pause einlegen sollte und wunderte mich dann, dass ich eines Nachmittags vor Übelkeit aus der Schule rannte. Zum Glück war es eh die letzte Stunde nach dem Russischunterricht und es waren kaum noch Schüler an der Schule. So konnte ich mich an der Bushaltestelle auf eine Bank legen und zusammengekrümmt auf den Bus warten. Für meinen Nachhauseweg brauchte ich dann anstelle von drei Minuten gefühlte 30. Zu Hause angekommen dauerte es nicht lang, bis ich mich übergeben musste. 

Danach wusste ich genau, wie die Pille zu nehmen war und vergaß es für die nächsten fünf Jahre auch nicht mehr. Damals belächelten wir noch die Warnungen einer Freundin, welche von ihrer Mutter über mögliche Nebenwirkungen und negativen Folgen der Pille aufgeklärt wurde. Jeder nahm die Pille, als wäre es ein tägliches Bonbon vorm Schlafengehen. 

Mit 19 hingegen entschloss ich mich schließlich die Pille abzusetzen. Ich hatte so viel Schlechtes darüber gehört und gelesen, dass ich es nicht mehr für richtig hielt, mir weiterhin täglich Hormone zuzuführen. Ich brauchte also mein letztes Blister auf und das war’s. Nie wieder Hormone, dachte ich mir. Ich informierte mich über natürliche Verhütungsmethoden wie NFP und probierte diese auch einige Monate aus, um meinen Zyklus besser zu verstehen und kennenzulernen. Das kann ich übrigens jedem nur ans Herz legen, selbst wenn man damit nicht verhüten möchte. Ich habe in dieser Zeit sehr viel über meinen Zyklus gelernt. 

Tschüss Pille, hallo Schmerzen!

Als ich die Pille absetzte bekam ich erstmal sehr schlechte Haut. Ich bekam eine Art Ausschlag auf der Stirn, der noch dazu extrem juckte. Ansonsten ging es mir jedoch gut und mein Körper schien das Absetzen gut vertragen zu haben. Ungefähr nach einem halben Jahr bekam ich dann jedoch eines Nachts solche starken Bauchschmerzen, dass ich mich aus meinem Bett nach unten in die Küche zwingen musste, um nach Schmerzmitteln zu suchen. Ich war damals Au Pair in Irland und wollte meine Gastfamilie nicht aufwecken, weshalb ich mich entschloss die restliche Nacht mit einem Eimer unten auf der Couch zu verbringen. Ich hielt es für unmöglich wieder die Treppen hochzusteigen und mein Gastvater fand mich früh schlafend auf der Couch vor. 

Mädchen mit weißem Shirt und Locken kniet gekrümmt auf dem Boden und hält sich den Bauch

Meine Regelbeschwerden wurden einfach nicht besser und nebenbei plagten mich jedes Mal starke Kopfschmerzen, Übelkeit, schmerzende Gliedmaßen, Durchfall, Blähungen und Erbrechen. Erst über ein Jahr später ließ ich mich dann endlich bei einem Arzt komplett durchchecken und ich ließ ein großes Blutbild machen. Ich fühlte doch, dass irgendwas mit mir nicht stimmte. 

Und siehe da, es stellte sich heraus dass ich nun auch noch eine Schilddrüsenunterfunktion hatte. Auch davon werde ich auf meinem Blog noch detaillierter berichten, jedoch würde das in diesem Beitrag den Rahmen sprengen. (Mit viel Recherche, Medikamenten und einer angepassten Ernährung bekam ich diese Krankheit zum Glück gut in den Griff und muss heute nicht mal mehr Schilddrüsenmedikamente nehmen.) Das erklärte jedoch wenigstens schon einmal meine Konzentrationsschwierigkeiten, Antriebslosigkeit und depressiven Phasen. 

Letztendlich kann ich nicht genau sagen, ob das Absetzen der Pille dazu führte, dass mein Hormonhaushalt so gestört wurde, dass meine Schilddrüse nicht mehr in der Lage war von allein ausreichend Hormone zu produzieren. Meinem Gefühl nach zu urteilen, bin ich mir jedoch sicher, dass dies eine von vielen Komponenten war, die zu meiner Krankheit führten. 

Neben meinem trägen Verdauungssystem, meiner kaputten, sich regenerierenden Schilddrüse und auch noch einer dazukommenden chronischen Nasennebenhöhlenentzündung, wurden meine Regelschmerzen immer unerträglicher. Monatlich weinte und schrie ich vor Schmerz, musste mich mehrmals übergeben und Schmerztabletten kauen, um sie nicht wieder zu erbrechen.

von starken Menstruationsschmerzen bis in die Notaufnahme

Eines Tages war ich auf dem Weg zur Uni und schnappte schon im Bus bei jeder kleinsten Kurve nach Luft. Am Campus angekommen musste ich vier Stockwerke Treppen steigen. Wie eine schwangere Frau hielt ich mich am Geländer fest und erklomm eine nach der anderen Treppenstufe. Oben angekommen wusste ich jedoch, dass ich keine Minute im Seminar aushalten würde und lief kurzerhand wieder alle Treppen runter, begab mich in den nächsten Bus und fuhr nach Hause. 

Leider schaffte ich es gerade mal zwei Haltestellen, bis es mir so schlecht ging, dass ich aussteigen musste und weinend den Krankenwagen rief. Es dauerte nicht lang und ich lag schreiend, weinend und mich übergebend auf dem Fußweg und hatte alles um mich herum vergessen. Ich hatte solche Schmerzen dass ich schrie als würde ich in den Hochwehen liegen. Und ich kann mir bis heute kaum vorstellen, dass sich Wehen anders anfühlen. 

Ich fühlte mich von meinem eigenen Körper verraten.

Ich wurde in die Notaufnahme gebracht und untersucht. Nichts. Laut den Ärzten war ich gesund. Direkt nach meiner Periode suchte ich eine Frauenärztin auf und stellte mich bei ihr in der Akutsprechstunde vor. Ich wollte nicht glauben, dass das was ich erleben musste „nur“ Regelschmerzen sein sollten. Auch sie untersuchte mich gründlich per Ultraschall, fand jedoch keine Auffälligkeiten. 

Eigentlich wollte ich um keinen Preis zurück zu Hormonen und lehnte das erneute Einnehmen der Pille ab. Letztendlich ließ ich mich dann jedoch trotzdem umstimmen und ließ mir den sehr niedrig dosierten Hormonring verschreiben. Ich hatte von einer Freundin schon viel Positives darüber gehört und wollte einfach nur weg von der ständigen Angst und den unaushaltbaren Schmerzen. 

Der Ring half mir tatsächlich und meine Schmerzen wurden nach und nach immer verträglicher. Ich musste zwar immer noch Schmerzmittel nehmen, jedoch halfen diese wenigstens einigermaßen, im Gegensatz zu vorher. Ich probierte während der gesamten Zeit meiner Zyklusbeschwerden auch viele verschiedene schmerzlindernde oder zyklusregulierende Mittel, wie Mönchspfeffer, Magnesiumöl und spezielle Frauentees aus. Welche dieser Mittel mir in dieser Zeit besonders gut oder eher weniger gut geholfen haben, kann ich bei Bedarf auch gerne nochmal näher vorstellen. 

Verdacht auf Endometriose

Ein dreiviertel Jahr nahm ich nun den Hormonring und war eigentlich auch ganz zufrieden damit, wobei ich spürte wie ich extrem starke Kopfschmerzen immer kurz vor und während meiner Regel bekam. Da auch meine Regelschmerzen immer noch nicht ganz verblassten und mir der Begriff Endometriose geläufig war, sprach ich meine Frauenärztin direkt auf meinen Verdacht an. Könnte es sein dass ich Endometriose habe? 

Auch wenn man im Ultraschall nichts erkennen kann, ist es möglich Endometriose zu haben. Diese ist nur in manchen Fällen anhand von Zysten oder Verwachsungen in der Gebärmutter sichtbar. Viele Frauen leiden jahrelang an den Folgen von Endometriose und Regelschmerzen, ohne überhaupt zu wissen, dass diese Krankheit existiert. Neben meinen starken Regelschmerzen habe ich auch Schmerzen im Bein, da Endometriose auch Nervenbahnen befallen kann. 

Nach dem Gespräch mit meiner Frauenärztin bekam ich eine Überweisung in ein Endometriosezentrum nach Berlin. Genau einen Monat später fand dann meine erste Bauchspiegelung statt. Wer dazu meinen Erfahrungsbericht lesen möchte kann ihn hier finden: Meine Krankheit Endometriose – Meine OP-Erfahrung. Und siehe da, es stellte sich heraus, dass meine Vermutungen richtig waren. Es konnten gleich mehrere Endometriose-Herde, sowie auch ein Verdacht auf Adenomyose, einer weiteren Form von Endometriose, diagnostiziert werden. Mehr dazu, kannst du wie gesagt in dem verlinkten Blog-Beitrag lesen. Ich weiß, ich bin noch nicht über dem Berg. Aber ich habe schon eine ganze Strecke geschafft und bin auf einem hoffentlich baldigen Weg der Genesung. 

Was steckt sonst noch hinter der Diagnose?

Ich habe gelernt und lerne immer noch mehr auf mich zu achten und zu mir zu stehen, mich zu beschützen, lieben und wertzuschätzen. Denn die eigene Psyche spielt in dem ganzen eine viel größere Rolle als wir vielleicht glauben. Ich persönlich steckte sechs Jahre in einer toxischen Beziehung, welche mich mit den Jahren psychisch und körperlich immer mehr kaputt machte. Ich bin mir sehr sicher, dass auch mein Krankheitsbild damit in Zusammenhang steht. Hätte mein Körper nicht irgendwann Alarm geschlagen, hätte ich wahrscheinlich niemals etwas geändert und wäre irgendwann daran zugrunde gegangen.

Ganz egal, wie dein Weg verläuft, du bist nicht allein und du stehst das durch. Gib nicht auf, denn alles was du brauchst steckt in dir. Löse dich von den Menschen die dir nicht gut tun. Wenn du das nicht schaffst, hab keine Angst dir Hilfe zu suchen und darüber zu reden. Besorge dir Bücher, lies Blogbeiträge, schaue Videos, oder höre Podcasts zu den Themen die dich beschäftigen und belasten. Aber bleib nicht stehen. Dein Körper stellt sich nicht gegen dich. Er möchte dich dringend alarmieren etwas zu verändern. Er möchte dich beschützen. 

Horch in dich hinein und überlege was das für dich bedeuten könnte. Bist du schon lange unglücklich in deiner Beziehung? Wohnst du an einem Ort, an dem du dich nicht wohlfühlst? Übst du einen Job aus der dich nicht glücklich macht? Ganz egal was es ist, schau nicht weg, schluck es nicht runter. Du darfst auch mal schwach sein, du darfst auch mal Angst haben oder traurig sein. Manchmal muss man etwas loslassen, um etwas Neues, Besseres zu finden und um gesund zu werden. Ich glaube fest an dich und wünsche dir viel Kraft und alles Gute. Gemeinsam schaffen wir das!

Alles Liebe, 

Natalie <3

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